Berufsorientierung

In aller Kürze

Dem Übergang von der Schule in den Beruf geht ein komplexer Prozess der Berufsorientierung und Berufswahl voran. Damit Eltern ihre Kinder in diesem Prozess beratend und unterstützend begleiten können, möchten wir an dieser Stelle einige Bausteine, Maßnahmen und Instrumente zur Berufsorientierung vorstellen.

Ziel der Berufsorientierung

Berufsorientierung (BO) ist ein Prozess, die spätere Berufswahl von Schülerinnen und Schülern durch Informationen zu unterstützen, indem durch Informationen über verschiedene Berufsfelder und Berufe, ihre Bedeutung und ihre Anforderungen vermittelt werden.

Eine gelungene Berufsorientierung mündet in der individuellen Berufswahl. Sie legt dabei Wert darauf, dass ein Beruf zu einer Person passt und dass eine Person zu einem Beruf passt.

Ausgangssituation

In der aktuellen Diskussion, wie Berufsorientierung an allgemein bildenden Schulen umgesetzt werden kann, tauchen regelmäßig verschiedene Schlagworte auf, mit denen wiederkehrende Problemfelder beschrieben werden. Häufig ist von einem drohenden Fachkräftemangel die Rede, da absehbar ist, dass es in naher Zukunft nicht mehr ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte geben wird, um den prognostizierten Bedarf des Arbeitsmarkts zu decken. Dies ist auch damit verknüpft, dass unsere Gesellschaft immer älter wird und die Zahl der neugeborenen Kinder seit Jahren rückläufig ist.

Auch gelten viele Jugendliche als unzureichend vorbereitet, wenn sie in die Berufswelt eintreten. Es mangelt ihnen vielfach an Kompetenzen und Fähigkeiten, die von Arbeitgebern erwartet werden. Daneben erschweren Faktoren wie Migrationshintergrund, schlechte oder gar fehlende Schulabschlüsse die Integration in Ausbildung und Arbeit.

Trotz großer Bemühungen und erheblichen Geldern, die in den letzten Jahren in das Übergangssystem investiert wurde, scheint hier noch immer ein großes Verbesserungspotential zu liegen.

Akteure der Berufsorientierung

„Das Erziehungsrecht der Eltern und die Wechselwirkung von schulischen und außerschulischen Erziehungs- und Lerneinflüssen insbesondere bei der Planung und Durchführung berufsorientierender und berufsbildender Maßnahmen erfordern eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus.“

(RdErl. d. MK vom 1.12.2011)

Der Prozess der Berufsorientierung beginnt an den Haupt-, Real- und Oberschule, sowie an den entsprechenden Zweigen der Gesamtschule in der Regel im zweiten Halbjahr vor dem Vorabgangsjahr, also der 7. beziehungsweise der 8. Klasse. An diesem Prozess ist eine Vielzahl von Akteuren beteiligt:

  • Schülerinnen und Schüler,
  • Eltern,
  • Fachlehrer,
  • Berufsberatung der Agentur für Arbeit,
  • Betriebe und Unternehmen,
  • Bildungsträger

Grundlagen hierfür sind der Erlass zur Berufsorientierung (2011), sowie eine 2012 erneuerte Rahmenvereinbarung zwischen dem niedersächsischen Kultusministerium und der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit.

Link zum Leitfaden Elternarbeit IHK Oldenburg:
http://www.schulewirtschaft.de/www/schulewirtschaft.nsf/res/eltern.pdf/$file/eltern.pdf

Bausteine der Berufsorientierung

Viele Inhalte und Maßnahmen der beruflichen Orientierung sind wie Schülerinnen und Schülerpraktika, Besuche im Berufsinformationszentrum (BIZ) oder die Teilnahme am Zukunftstag bewährte und schon lange erprobte Bausteine in diesem Prozess. Über die Jahre wurden sie durch eine Vielzahl von weiteren Angeboten ergänzt:

·         Betriebspraktikum ·         Bewerbungstraining
·         Praxistage im Betrieb ·         Berufseinstiegsbegleitung
·         Praxistage in der BBS ·         Schülerinnen und Schülerfirmen
·         Betriebsbesuche ·         Module der KOBO
·         Besuch von Job- und Ausbildungs-messen ·         Berufsberatung
·         Profilfächer ·         Kompetenzfeststellung

Hierbei steht es den Schulen in den meisten Fällen frei, welche Angebote sie nutzen wollen. Obligatorisch sind das Durchlaufen einer Kompetenzfeststellung und regelmäßige Termine mit den Mitarbeitern der Berufsberatung der Agentur für Arbeit.

Der Umfang, den die Angebote der Berufsorientierung in den letzten beiden Schuljahren mindestens einnehmen ist für die einzelnen Schulformen festgelegt (Hauptschule 80 Tage, Realschule 30 Tage, Oberschule 60 Tage bzw. 30 Tage), die Inhalte werden von den Schulen und deren verantwortlichen Lehrern festgelegt, oft in Rücksprache mit der Berufsberatung. Kosten entstehen den Schulen für die einzelnen Angebote in der Regel nicht, sie werden gegebenenfalls von Betrieben, Unternehmen oder der Bundesagentur für Arbeit getragen.

Damit die Angebote sinnvoll aufeinander aufbauend gestaltet und durchgeführt werden und sie nicht ohne Bezug zueinander nebeneinander stehen, wurde in Niedersachsen die Koordinierungsstelle Berufsorientierung eingerichtet (2011).

Link zur KOBO-Seite: http://www.kobo-online.de/

Kompetenzfeststellung

Eine dauerhaft erfolgreiche Integration in Ausbildung und Berufswelt sollte im Vorfeld einen Abgleich zwischen dem Ausprägungsgrad der Kompetenzen des Schülerinnen und Schülers und dem Anforderungsprofil des angestrebten Berufs vornehmen.

Im zweiten Halbjahr vor dem Vorabgangsjahr, also der 7. beziehungsweise der 8. Klasse wird mit allen Schülerinnen und Schülern eine Kompetenzfeststellung durchgeführt. Dies geschieht entweder durch dafür ausgebildete Lehrer und pädagogische Mitarbeiter der Schule oder durch einen hierfür beauftragten Bildungsträger. In Niedersachsen werden seit 2012 Lehrer und pädagogische Mitarbeiter im Verfahren des Profil AC geschult, um dies an den Schulen anzuwenden. Das Verfahren sollte standardisiert und transparent sein und die Ergebnisse mit Schülerinnen und Schülern und gegebenenfalls Eltern als Basis der weiteren Schritte der beruflichen Orientierung kommuniziert werden.

Link zu Profil AC: https://www.profil-ac.de/

Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife

Die Ergebnisse der Kompetenzfeststellung beziehen sich auf verschiedene Bereiche, die jeweils durch unterschiedliche Merkmalsdimensionen beschrieben werden. Sie beschreiben den Grad der Ausbildungsreife, den der Schülerinnen und Schüler bereits erreicht hat. Dies sind die Bereiche:

  • Schulische Basiskenntnisse
  • Psychologische Leistungsmerkmale
  • Physische Merkmale
  • Psychologische Merkmale des Arbeitsverhaltens und der Persönlichkeit
  • Berufswahlreife

Der gesamte Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife wurde 2006 im Rahmen des Paktes zur Ausbildung erstellt und umfasst  insgesamt 25 Teilmerkmale, zu denen 120 Kriterien (!) formuliert wurden. Viele dieser Merkmale spiegeln ohne Frage Aspekte einer Ausbildungsreife wider, dennoch ist der Kriterienkatalog nicht unumstritten. Die Kritik reicht von einer Diskussion des Reifebegriffs an sich bis hin zum In Frage stellen des mehrgliedrigen Schulsystem in Deutschland.

Link zum Kriterienkatalog

Übergang Schule-Beruf

„Gegenwärtig geprägt ist die Situation durch ein vielfältiges Angebot von Berufsorientierungsmaßnahmen, Bildungsgängen und Beratungsinstanzen. Dennoch gelingt es den Schülerinnen und Schülern vielfach nicht, den direkten Übergang in eine berufliche Ausbildung oder ein Studium zu finden. Umwege bei der Teilnahme an Bildungs­maßnahmen und Brüche in Ausbildung und Studium sind die Folge.“

(aus: Hamburger Programm. Berufsorientierung und Berufswegplanung, S. 3)

Nicht immer führt der Weg der Schülerinnen und Schüler nach dem Schulabschluss direkt in eine Ausbildung oder in ein Studium. Für einige Schülerinnen und Schüler ist absehbar, dass sie nach dem Abschluss der allgemein bildenden Schule auf dem Weg in die Ausbildung noch einen oder mehrere Zwischenschritte einlegen müssen. Hierzu wurden in den vergangenen Jahren die Angebote an den Berufsbildenden Schulen (BBS) stark ausdifferenziert. Angebote zur Berufsorientierung wie das Berufsgrundbildungsjahr (BGJ), das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) und die Berufseinstiegsklassen (BEK) entstanden. Es wurden Schulformen geschaffen wie:

  • Berufsfachschulen (ein- bis dreijährig)
  • Berufsoberschule
  • Fachschulen
  • Fachoberschulen
  • Fachgymnasien

Doch auch dieser Schulbesuch führt nicht immer zum gewünschten Ziel, so dass es außerhalb der Schulen Unterstützungsangebote wie Berufsorientierende Bildungsmaßnahmen (BvB), außerbetriebliche Ausbildungen (BaE) oder die Einstiegsqualifizierung (EQ) gibt, die sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit speziellem Förderbedarf oder ohne Schulabschluss richten.

Dieses Übergangssystem ist mittlerweile zu stattlicher Größe angewachsen und es ist nicht zuletzt aufgrund seiner Größe und seiner Komplexität sehr kostenintensiv. Vielfach wird es jedoch aufgrund dieser Kosten und gemessen an seiner noch immer beschränkten Wirksamkeit kritisiert. In der Konsequenz wurde das Übergangssystem im Bundesland Hamburg verändert. So sollten dort von den Schulen verbindliche Konzepte und Strukturen zur Berufsorientierung geschaffen werden, die alle Schülerinnen und Schüler in ihrem individuellen Berufswegeplan begleiten und unterstützende Angebote inhaltlich vernetzen.

Link zu Hamburger Bildungsoffensive: http://www.schule-wirtschaft-hamburg.de/service/downloads/HamburgerProgrammEndfassung.pdf

Studienorientierung

Die Berufsorientierung an Gymnasien und gymnasialen Oberstufen bereitet die Schülerinnen und Schüler darauf vor, ihren Bildungsweg nach dem Besuch des Gymnasiums an einer Hochschule, aber auch berufsbezogen fortsetzen zu können. Daneben ist der Anteil der auf die Aufnahme einer Ausbildung abzielt in der Regel geringer als an den anderen allgemein bildenden Schulformen. In diesem Zusammenhang bilden zehn- bis fünfzehntägige Schülerinnen und Schülerbetriebspraktika und eintägige Betriebserkundungen den Schwerpunkt berufsorientierender Maßnahmen.

Im 10. Schuljahrgang sollte ferner eine gezielte Berufswahlorientierung in Zusammenarbeit mit der Berufsberatung durchgeführt werden.

http://www.berufsorientierung-niedersachsen.de/

Aufgabe der Eltern

Durch die große Anzahl der von Akteuren im Prozess der Berufsorientierung und ihrer sich zum Teil widersprechenden Interessen kommt den Eltern die Verantwortung zu, ihre Kinder im Prozess der Berufsorientierung aktiv zu begleiten und zu beraten, sie zu motivieren und zu unterstützen. Gleichzeitig sollten sie die Beiträge Dritter in diesem Prozess kooperativ nutzen und deren Qualität einfordern.