Ganztagsschule

 

Ausgangspunkt

Seit dem 01.08.2014 gilt in Niedersachsen der Erlass „Die Arbeit in der Ganztagsschule“. Dafür sollen bis Ende 2017 rund 260 Millionen Euro in den Ausbau von Ganztagsschulen investiert werden.

Das Ziel des Ganztagsausbaus in Niedersachsen ist es, ein qualitativ hochwertiges und ganzheitliches Angebot machen zu können ‐ ein Angebot, bei dem Schülerinnen und Schüler (SuS) pädagogisch sinnvoll gefördert und gefordert werden. Auch möchte man dem Wunsch vieler Eltern entsprechen, dieses Angebot auszubauen. Der Ausbau von Ganztagsschulen gilt auch als ein wichtiger Schritt beim Abbau von Bildungsbenachteiligung.

 

Wege zur Ganztagsschule

Soll eine Schule zu einer Ganztagsschule werden, muss hierfür von Schulleitung und Kollegium ein Konzept entwickelt werden, indem die inhaltlichen und strukturellen Ausgestaltungsmerkmale beschrieben. Für Eltern ist dabei wichtig, dass Ganztagsschule ist nicht gleich Ganztagsschule ist. Es gibt verschiedene Formen:

  • Organisationsform: Offene Ganztagsschule

In der offenen Ganztagsschule finden außerunterrichtliche Angebote grundsätzlich nach dem Unterricht statt. Die Teilnahme an diesen Angeboten ist freiwillig, eine Anmeldung erfolgt für die Dauer eines Schulhalbjahres.

  • Organisationsform: Teilgebundene Ganztagsschule

In der teilgebundenen Ganztagsschule sind die Schülerinnen und Schüler an zwei oder drei Tagen zum ganztägigen Besuch verpflichtet. An diesen beiden Tagen wechseln sich Unterricht und außerunterrichtliche Angebote in der Regel ab. An den übrigen Tagen gibt es außerunterrichtliche Angebote für die Zeit nach dem Unterricht.

  • Organisationsform: Voll gebundene Ganztagsschule

In der voll gebundenen Ganztagsschule sind alle Schülerinnen und Schüler an mehr als drei Wochentagen zum ganztägigen Besuch verpflichtet. Der Unterricht und außerunterrichtliche Angebote wechseln sich ab (Rhythmisierung).

 

Rhythmisierung der Angebote

Nach pädagogischen und lernpsychologischen Erkenntnissen erfordert ein sinnvolles Ganztagsangebot die Abkehr von der klassischen Gestaltung des Tagesablaufs hin zu einem mehrfachen Wechsel von Unterricht und außerunterrichtlichen Angeboten. Dies ist nach dem Erlass künftig nicht nur möglich, sondern auch erwünscht.

Ziel des Erlasses ist es, verstärkt Lehrkräfte im Ganztagsbereich einzusetzen. Das beinhaltet auch eine intensivierte und fachlich qualifizierte Betreuung in den Lern- und Übungsphasen, z. B. in der Hausaufgabenbetreuung. Davon sollen auch vor allem Schülerinnen und Schüler profitieren, die Zuhause möglicherweise nicht die nötige Förderung und/oder Unterstützung erhalten.

 

Ganztagsschule in Zahlen

Derzeit (Stand Schuljahr 2014/2015) gibt es in Niedersachsen 1.647 Ganztagsschulen. Damit bietet mehr als die Hälfte aller Schulen in Niedersachsen ein Ganztagsangebot. Davon sind über 80 Prozent offene Ganztagsschulen und weniger als 20 Prozent teilgebundene und voll gebundene Ganztagsschulen.

 

 

Ganztagsschulen in Oldenburg

In Oldenburg bieten insgesamt 22 der Schulen in städtischer Trägerschaft ein Ganztagsangebot. Davon sind sieben Grundschulen, drei Integrierte Gesamtschulen, vier Oberschulen, fünf Gymnasien und drei Förderschulen. 21 Grundschulen und eine Förderschule haben noch kein Ganztagsangebot. Damit sind im Schuljahr 2015/16 genau die Hälfte aller Schulen in Oldenburg Ganztagsschulen. Für die Grundschulen gibt es seitens des Schulträgers eine Planung, die Grundschulen bis zum Schuljahr 2024/25 hinsichtlich der Erfordernisse von Ganztag und Inklusion aus- und umzubauen.

 

Was ändert sich durch den Erlass?

Als erstes ändert sich etwas an der finanziellen Ausstattung vieler Schulen, die bislang zwar ein Ganztagsangebot hatten, denen jedoch nicht die erforderlichen Ressourcen bereitgestellt wurden.

Während bislang 400 der niedersächsischen Ganztagsschulen den vollen Ganztagszuschlag vom Land (100 Prozent) erhalten haben, bekam die Mehrzahl der etwa 1.600 Ganztagsschulen im Land ‐ nämlich rund 1.200 Schulen ‐ im Vergleich zur Vollausstattung im Durchschnitt nur rund 25 Prozent des Zusatzbedarfes für die Durchführung von Ganztagsangeboten.

Ein neues, bedarfsgerechtes Berechnungssystem soll dies nun ändern. Seit dem Schuljahr 2014/2015 wird jede am Ganztag teilnehmende Schülerin oder jeder am Ganztag teilnehmende Schüler ebenso gezählt wie die Tage der Teilnahme am Ganztagsangebot. Hieran orientiert sich die Zuweisung der Lehrerstunden. Ganztagsschulen mit hoher Teilnahme an vielen Tagen erhalten demzufolge mehr Ressourcen. Diese Stunden können weiterhin anteilig kapitalisiert werden, um damit Kooperationen mit außerschulischen Partnern zu finanzieren.

Gleichzeitig sollen weitere Schulen zu Ganztagsschulen ausgebaut werden und die Qualität der Ganztagsangebote verbessert werden. Es sollen verstärkt Lehrkräfte im Ganztagsangebot eingesetzt werden, für die es entsprechende Fortbildungen geben soll. Die Umwandlung zu Ganztagsschulen soll durch Experten aus der Niedersächsischen Landesschulbehörde unterstützt werden.

 

Ganztagsschule und Elternwille

Der Erlass verweist darauf, dass eine Änderung der Organisationsform einer Ganztagsschule (vor allem von einer Schule mit offenem Angebot zu einer teilgebundenen oder voll gebundenen Ganztagsschule) nur unter Berücksichtigung des Elternwillens stattfinden soll. Es besteht dabei ausdrücklich die Möglichkeit an einer Ganztagsschule Ganztagsschulzüge abweichender Organisationsform einzurichten. Auf diese Weise haben Schulträger von teilgebundenen beziehungsweise voll gebundenen Ganztagsschulen die Möglichkeit für Eltern, die kein verpflichtendes Angebot für ihre Kinder wählen wollen, parallel auch ein offenes Angebot mit freiwilliger Teilnahme vorzuhalten.

Der neue Ganztagsschulerlass erweitert somit den pädagogischen wie auch den strukturellen Gestaltungsspielraum der Schulen. Neben der offenen Ganztagsschule ist auch die teilgebundene bis hin zur voll gebundenen Ganztagsschule möglich. Darüber hinaus werden an Schulen auch Ganztagsschulzüge oder Ganztagsschuljahrgänge zugelassen. Die Schulen können auf diese Weise einen uneinheitlichen Elternwillen berücksichtigen und müssen nicht dem möglicherweise unsteten Votum einer Mehrheit folgen. An dieser Stelle gibt es selten nur eine richtige und gute Lösung und die Tatsache, dass ein Angebot nachgefragt wird ist nur sehr bedingt auch ein Indikator für eine hohe Qualität des Angebots.

 

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